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ALLGEMEINE FRAGEN ZU PSYCHOPHARMAKA
 

Machen Psychopharmaka abhängig?
Die Gefahr, abhängig im Sinne einer Suchterkrankung zu werden, ist bei den Benzodiazepinen gegeben. Das Antiparkinsonmittel Biperiden (Markenname: Akineton) wirkt bei manchen Menschen euphorisierend und kann als Suchtmittel missbraucht werden. Bei keinem bisher entwickelten Schlafmittel ist die Entwicklung einer Abhängigkeit ausgeschlossen. So weit die ungünstige Nachricht. Bedeutsamer ist die Frage jedoch bei Wirkstoffen, die aus zwingenden Gründen über lange Zeit genommen werden. Hier gilt die eindeutige Aussage: Kein Suchtrisiko bei irgendeinem antidepressiven oder antipsychotischen Wirkstoff oder bei antiepileptischen Mood Stabilizern (Stimmungs-Stabilisierern). Viele Psychiatriepatienten entscheiden sich für die langfristige Einnahme dieser Medikamente, um ohne schwere Krisen leben zu können. Hier ist der Begriff "Abhängigkeit" irreführend. Vorbeugende Dauerbehandlungen sind bei vielen Gesundheitsproblemen sinnvoll und üblich.

Warum soll man Psychopharmaka immer ausschleichen?
Wenn der Körper sich auf den Wirkstoff eingestellt hat, treten beim plötzlichen Entzug Gegenregulationen auf, die dem ursprünglichen Krankheitsbild ähneln. Die Patienten halten sich dann fälschlich für kränker als sie sind. Auch bei antipsychotischen Medikamenten gilt: „Die Synapsen dürfen nicht mitbekommen, dass langsam immer weniger Wirkstoff geliefert wird.“

Welche Vorsorgeuntersuchungen sind während der Einnahme von psychoaktiven Wirkstoffen nötig?
Vor Behandlungsbeginn sollten bekannt sein: Rotes und weißes Blutbild, Leberwerte, Nierenwerte, Schilddrüsenwerte, Blutfette (Cholesterin und Triglyceride), Blutzucker. Außerdem sollte ein EKG und ein EEG gemacht werden. Wenn alle Werte im grünen Bereich waren, müssen Blutbild und Leberwerte anfangs häufiger kontrolliert werden, um eine Unverträglichkeit schnell zu erkennen. Regelmäßig sollten bei den neuen antipsychotischen Wirkstoffen Blutfette und Blutzucker überwacht werden, denn diese Werte können ansteigen, selbst wenn sich am Gewicht nichts ändert. Ein jährliches Routine-EKG gehört ebenso zu den Vorsorgeuntersuchungen. Lithiumpatienten beziehen außerdem die Schilddrüsen- und Nierenwerte in ihren Vorsorgekatalog ein.

Bei meinem Doktor komme ich mir vor wie ein Versuchskaninchen. Alle paar Monate probiert er etwas Neues an mir aus.
Offenbar waren bisher weder Sie noch Ihr Arzt mit der Wirkung Ihrer Medikamente ganz zufrieden. Solange Ihr Arzt noch weitere Möglichkeiten für Sie sieht, sollten Sie mit ihm zusammenarbeiten, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erreichen. Das geht bisher oft nur durch geduldiges Ausprobieren.
Engagierte Ärzte sind darauf angewiesen, dass ihre Patienten nicht fraglos, klaglos alles schlucken und sich allenfalls im Bekanntenkreis über Nebenwirkungen beschweren. Wenn Sie mit der Behandlung unzufrieden sind, können Sie viel zur Verbesserung beitragen. Interessieren und informieren Sie sich, was und vor allem wie viel Sie von jedem Wirkstoff zu sich nehmen. Bereiten Sie sich auf den Arztbesuch vor, wie auf eine Verhandlung, bei der es auf Sie ankommt. Um den „Zahnarzteffekt“ zu vermeiden – plötzlich tut nichts mehr weh – notieren Sie bitte vorher, was Sie stört, was Sie anders haben möchten und was Sie wissen wollen. Vor allem aber: Informieren Sie Ihren Doktor über alle Medikamente, die Sie von anderen Ärzten verordnet bekommen haben, und über alle rezeptfreien Medikamente, die Sie öfter nehmen.

Kann ich unter Psychopharmaka Auto fahren?
Ja, wenn Sie den Wirkstoff gut vertragen. Aber erst, sobald Ihr Organismus sich daran angepasst hat. In den ersten Wochen nach der Neueinstellung auf ein Medikament ist immer erhöhte Vorsicht geboten. Das gilt natürlich besonders für alle mit einer den Schlaf fördernden, beruhigenden und entspannenden Wirkung. Ohne dass Sie es merken, kann Ihre Reaktionszeit deutlich verlängert sein! Machen Sie die ersten Fahrten unter einem neuen Mittel nur auf vertrauten Strecken und am besten in Begleitung eines vernünftigen Beifahrers.

Was passiert, wenn ich Alkohol trinke?
Bei jedem psychoaktiven Wirkstoff finden Sie den Warnhinweis, dass Alkohol die Wirkung auf unvorhersehbare Art verändern kann. Das alltägliche Genussmittel ist schließlich genau genommen ein sehr wirksames Psychopharmakon, der sprichwörtliche „Seelentröster.“ Auf den ständigen Gebrauch von Bier oder Wein zum Einschlafen sollten Sie bei einer gut eingestellten Medikation nicht mehr angewiesen sein. Ersparen Sie Ihrem Körper und Ihrem Gehirn diese unnötige zusätzliche Belastung! Wer sich mit einem gut verträglichen Medikament angefreundet hat, kann im geselligen Rahmen auch ein Gläschen mittrinken. Das erste Mal nicht gerade bei einer Gelegenheit, wo Sie unbedingt Ihren klaren Kopf brauchen, um nicht aus dem Rahmen zu fallen!




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