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MEINUNGEN UND ENTGEGNUNGEN
 

Seelische Probleme sollte man auf seelischem Wege lösen, aber nicht mit Chemie.
Völlig einverstanden, sofern es sich um die Lebensprobleme eines sonst Gesunden handelt. Diese vorübergehenden Belastungen dürfen aber nicht verwechselt werden mit den Einschränkungen der Lebensqualität durch schwerwiegende Besonderheiten oder Krankheiten.

Psychopharmaka verändern die Persönlichkeit.
Stimmt nicht. Richtig ist vielmehr: Es sind die psychischen Krankheiten, die eine Persönlichkeit verändern. Immer wieder ist es erschütternd, wie die liebenswerten und originellen Züge eines Menschen sich unter dem Griff einer Krankheitsentwicklung vergröbern. Auch jeder Kranke hat seine ganz individuellen Züge. Doch das, was im alltäglichen Miteinander zur Geltung kommt, sind die Merkmale seiner Krankheit. Er ist vom Individuum zu einem Typ geworden. „Der Alkoholiker.“ „Die Paranoide.“ „Der Maniker.“ Zuletzt erkennen nur die engsten Angehörigen in ihm noch den Menschen, der für die Allgemeinheit verlorengegangen ist. Es ist aller Mühe wert, solche Entwicklungen zu verhindern oder so weit wie möglich rückgängig zu machen.

Ich möchte nicht ruhiggestellt werden und herumlaufen wie ein Zombie.
Völlig einverstanden. So darf sich eine medikamentöse Behandlung nicht auswirken auf Ihr Befinden und auf Ihr äußeres Erscheinungsbild. Vermutlich haben Sie psychisch Kranke aus früheren Jahren vor Augen, die unter der Kombination von hochpotenten Neuroleptika und Antiparkinsonmitteln eine beklagenswerte Lebensqualität hatten und denen man das auch ansah. Die Begeisterung der älteren Psychiater, dass „Chemie“ vielen Psychosekranken hilft, überstrahlte alle Schattenseiten der Neuroleptika. Wer dennoch die armselige Lebensqualität von allzu vielen Patienten beklagte, galt als ein etwas aus der Art geschlagener, sozusagen atypischer Kauz.
Mit den verfügbaren Mitteln haben sich auch die Psychiater gewandelt. Heute ist Lebensqualität eines der wichtigsten Themen, wenn es um die Bewertung von bekannten und um die Entwicklung von neuen Wirkstoffen geht. Psychisch Kranke sollen mit ihrem Medikament als bedingt Gesunde leben können. Sie sollen sich in ihren geistigen Leistungen und auch in ihren Gefühlsreaktionen nicht von Gesunden unterscheiden lassen.

Viele angebliche Psychosen sind keine Gehirnstörungen, sondern spirituelle Krisen. Diese Reifungsschritte der Seele darf man doch nicht mit Medikamenten blockieren!
Dieses Thema hat in den letzten Jahren auch viele psychiatrische Fachleute bewegt. Eine ausführliche Erörterung mit historischen und aktuellen Fallbeispielen finden Sie in dem Buch Ähnlichkeit macht stark. Deshalb hier nur so viel: Kompetent für die Unterscheidung Krankheit oder Reifungskrise sind nur Menschen mit intensiver religiös spiritueller Praxis. Christliche und buddhistische Ordensleute oder hinduistische Gurus sind die einzigen, die wirklich beides kennen und geschult sind in der „Unterscheidung der Geister“. Zur Enttäuschung von vielen vermeintlich Erleuchteten empfehlen sie in der Regel fachärztliche Behandlung. Wer sich unversehens im Rahmen einer psychotischen Veränderung von diesen Themen ergriffen fühlt, braucht im psychiatrischen Rahmen natürlich respektvolle Begleitung. – Aber wer braucht die nicht?




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