Schwangerschaft und Mutterschaft

Ich nehme noch Psychopharmaka und möchte schwanger werden. Geht das?
Die behandelnden Fachärzte – Internisten, Neurologen oder Psychiater – kennen ihre Patienten und können den Schweregrad der Erkrankung einschätzen. Bestehen Sie auf intensiver und individueller Beratung.
Dass Sie jedes Risiko vermeiden können, wenn Sie gar nicht schwanger werden, ist keine Antwort. Bei einem Medikament, das seit rund zehn Jahren weltweit angewendet wird, können Sie sich an den Ergebnissen der Arzneimittelüberwachung orientieren. Bei einem neu zugelassenen Wirkstoff besteht noch eine größere Unsicherheit. Im Institut für Embryonaltoxikologie, Berlin, wird man Sie und Ihren Arzt beraten. Telefon: (030) 30 30 81 11. Sie werden gemeinsam mit Fachleuten und Ihrem Partner abwägen, wie groß das Risiko durch einen Krankheitsrückfall wäre und das ins Verhältnis setzen zu Ihrer Unsicherheit über die möglichen Schäden für Ihr Kind!
Eine Schwangerschaft stellt Höchstforderungen an die körperliche Belastbarkeit der Frau. Geburt und Neugeborenenzeit fordern die mentale Stabilität von beiden Eltern heraus. Hier darf nichts verniedlicht, aber auch nichts dramatisiert werden. Soziale Beratungsstellen können durch Kontakte zu den Angehörigen die Belastbarkeit des sozialen Umfeldes erkunden und auf Angebote zur zusätzlichen Unterstützung hinweisen.
Humangenetische Beratungsstellen müssen oft die Sorge zerstreuen, dass Kinder von kranken Eltern unweigerlich auch erkranken werden. Die statistische Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind groß zu ziehen, ist in der Regel sehr viel höher. Psychisch kranke Eltern müssen sich zusätzlich von dem Vorurteil befreien, dass sie auch in ihren guten Zeiten auf subtile Weise die seelische Entwicklung ihres Nachwuchses beeinträchtigen könnten. Dabei werden ihnen alle Fachleute helfen, die bestimmte düstere Theorien des 20. Jahrhunderts hinter sich gelassen haben. Wenn die Entscheidung für ein Kind gefallen ist, muss zuvor noch geklärt werden, welches Risiko für das Ungeborene besteht, wenn die Mutter auf die dauerhafte Einnahme eines Medikaments angewiesen ist. Auch vor diesem Problem stehen nicht nur Psychiatriepatientinnen. Spezielle Beratungsstellen sind durch weltweite Datensammlung immer auf dem neuesten Stand und können realistisch Auskunft geben.
Siehe auch: www.Frauen-und-Psychiatrie.de.

Kann ich stillen, wenn ich Medikamente nehme?
Es kommt darauf an, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht. Das ist bei psychoaktiven Wirkstoffen der Fall, und auch meistens in Konzentrationen, die auf lange Sicht dem Baby schaden. Den größten Nutzen vom Gestillt-Werden hat Ihr Kind allerdings in den ersten fünf Tagen nach der Geburt. In dieser Zeit erhält es mit der besonders zusammengesetzten Vormilch all die wichtigen Abwehrstoffe, die das Stillen unersetzlich machen. Einem gesunden Neugeborenen können Sie das – in Absprache mit dem Kinderarzt – zugute kommen lassen. Bei den hochwertigen Flaschennahrungen von heute gilt danach eine andere Kosten-/Nutzen-Rechnung. Am Fläschchen trinken, im Arm einer ausgeglichenen Mutter – und öfter auch beim Papa – ist für jedes Baby gesünder als die Milch einer Frau, die sich mit einer unbehandelten Wochenbettdepression quält oder die Verschlechterung ihrer bipolaren Krankheit befürchten muss.


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Sämtliche Angaben ohne Gewähr. – Lexikon der Psychopharmaka: Beachten Sie die Hinweise auf der Startseite des Lexikons. Beraten Sie sich unbedingt mit einem Arzt Ihres Vertrauens! – Ausführlichere Informationen finden Sie in dem Buch "Wegweiser Psychopharmaka" von Dr. med. Carola Burkhardt-Neumann.

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